Sven van Thom

"Was für ein Album!" Der älteste Marketing-Trick der Welt: Tue so, als wärest Du begeistert, und auch andere werden begeistert sein - natürlich nur so lange, bis die Kunden die Platte selbst gehört und sich ein eigenes Bild gemacht haben. Sven van Thom sagt über sein neues Album: „So geht gute Laune“ ist meine allerbeste Platte. In zwei, drei Jahren werde ich das Gleiche über mein viertes Album behaupten, aber das wird gelogen sein, denn ein besseres Album als „So geht gute Laune“ ist, ganz realistisch betrachtet, gar nicht möglich. „So geht gute Laune“ hat alles, was ein gutes Album benötigt: Musik, bestehend aus Melodien, Rhythmen und Akkorden; aber auch Texte, welche zum größten Teil aus Worten zusammengesetzt sind."   Würde man jeden einzelnen Text auf dieser Platte auseinandernehmen, man würde feststellen, dass der Fokus ausnahmslos auf den Schattenseiten des Daseins liegt. Doch so finster die beschriebenen Beziehungstragödien aus den Songs „Einfach weitermachen“ und „Topf vom Herd“ auch sein mögen, Sven van Thom schafft es regelmäßig mit gekonntem Wortwitz und dem ein oder anderen Quatsch unter der Gürtellinie („Chrysanthemen“, „Herpes“) immer wieder, den Hörer ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Der nostalgische Blick zurück, der auch schon auf van Thoms Album „Ach!“ (2012, Roof Music) zu finden war, lässt sich auch auf „So geht gute Laune“ wieder sehen. In „Ich hab mich nicht getraut“ gibt uns Sven, der im Brandenburgischen Wandlitz aufgewachsen ist, einen melancholischen Einblick in seinen Werdegang und vergleicht das bisher Erreichte leicht wehmütig mit dem seiner Weggefährten, während es in dem völlig übertriebenen „Dröge Jugend“, das die Nachteile des Teenager-Daseins auf dem Dorf aufzählt, heißt: „Wir hätten’s sicher richtig weit gebracht / hätten wir nicht immer nur rumgemacht / doch statt zu lernen bis spät in die Nacht / waren wir nur am Ficken.“ Solche Zeilen sind in van Thoms Fall doppelt nostalgisch, schließlich hat er dem F-Wort seinen bisher größten Hit zu verdanken: Im Jahre 2001 errichte seine Band SOFAPLANET mit dem Lied „liebficken“ die Top Ten der Deutschen Charts und verschwand danach recht bald wieder in der Versenkung. Noch vor 10 Jahren konnte er kaum darüber lachen; heute hat er endlich die innere Freiheit, in einem Popsong einfach wieder einmal das F-Wort in den Mund zu nehmen, wenn es denn passt. Und es passt. Auch musikalisch bietet „So geht gute Laune“ an vielen Stellen einen Blick zurück. Gitarren, Banjo, Ukulele, Glockenspiel, Mellotron-Streicher und -Chöre vermischen sich zu einem warmen Sound, der immer wieder an die Popmusik der späten Sechziger des vergangenen Jahrhunderts erinnert. Das Schlagzeug hält sich weitestgehend zurück, wird durch perkussives Geklapper und in wenigen Momenten von elektronischen Beats ersetzt. Wie auch schon auf dem Vorgänger „Ach!“ hat Sven van Thom nahezu alle Instrumente im Alleingang eingespielt. Seine ehemalige Bandkollegin aus Beatplanet-Zeiten stand ihm in „Topf vom Herd“ mit ihrem Cello zur Seite, und in mehreren Stücken taucht die Stimme von Larissa Pesch auf, die haupt-beruflich in der wunderbaren Band LAIN singt und tanzt und nebenbei hin und wieder mit Sven unter dem Namen „Machete“ auftritt. Martin „Gotti“ Gottschild betätigt in „Chrysanthemen“ rumpelig ein Percussion-Instrument. Allein dieser Fakt, aber auch die ausgeprägte Albernheit dieses Liedes erinnert den Auskenner daran, welchen Ursprungs viele der Lieder auf „So geht gute Laune“ sind. Die meisten davon hat Sven van Thom nämlich für Gottis und sein stetig populärer werdendes Bühnenprogramm „Tiere streicheln Menschen“ geschrieben und längst am lebenden Publikum ausprobiert. „So geht gute Laune“ ist so etwas wie Sven van Thoms persönliches Best-of-Album all der Lieder, die er seit Veröffentlichung seines letzten Albums geschrieben hat.

 

 

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