Schraubenyeti

Mit seinem akustischen Klavier hinaus in den Park, auf den Alpengipfel oder einfach nur 'wieder auf die Straße'. „Das Klavier war eigentlich schon immer mein Instrument, hat aber das große Manko, dass es meistens drin, in geschlossenen Räumen steht.“ erzählt Martin Lischke, wie der Schraubenyeti mit bürgerlichem Namen heisst. „Ich wollte aber gerne raus auf die Straße oder im Grünen musizieren und dort Lieder singen, wo Andere den Grill an machen“ Not macht bekanntlich erfinderisch und so schraubte er kurzerhand Räder ans Klavier, welches er in Jugendtagen von seinen Eltern geschenkt bekam, und baute seinen VW-Bus um, um es transportieren zu können. Seit einigen Jahren macht er so nun die Straßen unsicher, bespielt Marktplätze, Hafen und Parks. „Ich bin gerne unterwegs und entdecke neue Orte für mich.“ erklärt er seine Umtriebigkeit. Genau das beschreibt auch der Song „Unterwegs“ sehr bildhaft und vermittelt, was den Schraubenyeti ausmacht. Er erzählt auch wie wichtig es für ihn ist, sich mal treiben zu lassen, egal wohin es einen am Ende verschlägt. Im besten Fall entstehen nämlich genau durch diese Reisen, Erlebnisse und Bekanntschaften die Anekdoten für seine Songs. „Deswegen hab ich 2015 auch kurzerhand entschlossen für 4 Monate nach Australien zu gehen.“ Um die bisherigen Songideen nicht alle nur im Kopf und für sich zu behalten, und um überhaupt genug Platz für neue Geschichten zu haben, veröffentlichte er sein puristisches Debütalbum „Ein Tier am Klavier“. Man findet darauf 14 Songs, unter ihnen „Unterwegs“, die abwechslungsreicher kaum sein könnten. Mal lauscht man nachdenklichen Strophen zu zarten Tastentönen, dann wieder schmunzelt man verschmitzt zu den Texten von „Untenrum“ oder „Klatschen“. Dabei nimmt sich der Schraubenyeti selbst nie ernster als nötig und zeigt doch aufrichtige Verletzlichkeit. Genau das lässt ihn schon beim Zuhören unheimlich authentisch wirken. Sein Klangfeuer nährt sich dabei aus melodiösem Gefühl und rauem, ehrlichen Folk. Erlebt man ihn dann auf einem seiner Konzerte, ist man kaum überrascht, dass der Kerl tatsächlich so sympathisch ist wie erwartet. Zeitgleich zur Veröffentlichung von Schraubenyetis Debüt Album klopfte ein anderes „Tier“ des Musikgeschäfts an seine Tür. Alligatoah, seines Zeichens Rapper, Sänger und Produzent, ließ sein damaliges Album von verschiedenen Straßenmusikern neu interpretieren. Diese Zusatz - CD veröffentlichte er in der Deluxe Version „Straßenmusik ist auch keine Lösung“ und erreichte damit Goldstatus. Fragt man Martin nach der Entstehung seines Künstlernamens erzählt er lachend: „Ich bin gelernter Maschinenbauer und schraube in meiner Freizeit gerne an alten Motorrädern. Meine Freunde behaupten ich hätte ungewöhnlich viele Haare auf den Füßen, wie ein Yeti. So gaben sie mir, aus einer Schnapsidee heraus, den Namen Schraubenyeti. Ich bin damit ganz zufrieden.“ Die Geschichten aus Australien präsentierte er ein Jahr später auf der EP „Out of Rooteeny“, auf der sich ausnahmsweise zwei englische Songs finden. „Das eigentlich Interessante an dieser CD ist aber, dass ich den Songs ein paar mehr Instrumente verpassen wollte und so ist aus dieser Produktion ein weiteres großes, zotteliges Tier entstanden - meine Liveband „Das Mammut“!“ Der kraftvolle Dickhäuter, verleiht dem Singer/Songwriter-Folk des Yeti die nötige Breite, die es zum Folk-Rock werden lässt. Trotzdem bleibt der Schraubenyeti seinem Konzept treu, denn ganz ohne Strom erreichen sie dies auch auf der Parkwiese mit dreistimmigem Satzgesang, Kontrabass, Trommel, verschiedensten Saiteninstrumenten und schließlich – dem Klavier. „Wir passen sogar alle zusammen mit unseren Instrumenten in meinen Bus!“ fügt er freudig hinzu. In diesem Jahr haben der Schraubenyeti und sein Mammut Großes vor. Gemeinsam haben sie ein neues Album aufgenommen. Dieses wird als Doppel-Vinyl veröffentlicht. Ein Konzeptalbum. So richtig, richtig schön ist es geworden. Das neue Album „heute gestern“.

 

 

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