Nie und Nimmer

Eigentlich eine einzige Zumutung, dieses Leben. Ständig werden einem Steine in den Weg geworfen, ob in der Liebe, im Job oder einfach nur beim Versuch, nach Feierabend nicht wieder eine Stunde um den Block zu kurven, um einen Parkplatz zu finden. Alles könnte so einfach sein! Und so langweilig. Denn sind es denn nicht gerade die Umwege, die uns kreativ denken lassen? Die Schicksalsschläge, an denen wir wachsen? Die kleinen Ärgernisse des Alltags, die uns die unbeschwerten Momente umso mehr vergolden? Unbedingt, befinden Nie und Nimmer: „Wir wollen das Beste für unser Leben / Und dass uns immer Gutes widerfährt / Und wir brauchen unendlich viel Zeit, um irgendwann mal zu begreifen / In einem Leben ohne Leiden hätte Freude keinen Wert“, singen sie in ihrem Song „Ich hab gelebt“, und fragen: „Was hätten wir zu erzählen ohne all die Narben, die uns zier’n?“. Die Berliner Band jedenfalls hat etwas zu erzählen. Und tut dies mit stetig wachsendem Erfolg: Seit 2014 veröffentlichen sie unabhängig Songs, die bei Spotify hunderttausendfach gestreamt wurden, ihre über YouTube veröffentlichten Sessions-Videos erreichen teils Millionenklicks und ihre Likes bei Facebook bewegen sich im sechsstelligen Bereich. Nun bei Warner Music unter Vertrag, bereiten Nie und Nimmer die Veröffentlichung ihres Albums „Laute Stille“ für Frühjahr 2019 vor. Angeführt wird es von der ersten Single „Foto im Regal“, einer gefühlvollen Piano-Ballade über den Verlust eines geliebten Menschen: „Jedes Jahr erinner’ ich mich an dich / Daran wie du warst, mit Tränen im Gesicht / Jedes Jahr vermiss ich dich und deine wunderbare Art / Und jedes Mal brennt eine Kerze vor deinem Foto im Regal“, berichtet der Song von einer Erfahrung, die wir wohl alle nachvollziehen können – entweder, weil wir sie schon hinter uns haben oder weil uns der Tag bevorsteht, an dem sie passiert, ob durch Alter, Krankheit oder Schicksalsschläge, ob unseren Partnern, Familie oder Freunden. „Wenn du mit Leuten auf Konzerten darüber redest, ist das ein unglaublich verbindendes Element“, findet Mo. „Genau darum geht es uns mit unserer Musik“, ergänzt Hayat, „dass die Leute, wenn sie wollen, ihre Geschichte mit den Songs verbinden.“ Nie und Nimmer machen es einem in der Hinsicht leicht, und genau das ist die große Kunst: ihre Texte sind zutiefst persönlich und dabei doch so allgemeingültig, dass sich ein jeder damit identifizieren kann. Große Popmusik, bei der eine honigweiche Gesangsstimme (Hayat) und ein tief raspelnder Sprechgesang (Mo) sich zu einem gefühlvollen Ganzen vereinen, mit Texten die geradeheraus und schnörkellos sind und dabei zugleich voll kraftvoller Bilder und Metaphern; die von den Blessuren und Narben des Lebens handeln, aber immer auch eine Botschaft der Hoffnung, eine Liebe zum Leben in sich tragen – Nie und Nimmer bieten eine Kombination, nach der man in der deutschen Musiklandschaft ansonsten lange suchen muss. Kaum verwunderlich, dass auch Mo und Hayat selbst eine Weile brauchten, bis sie zu ihrem heutigen Stil fanden. Seit 2005 machen die beiden bereits in wechselnden Kombinationen miteinander Musik, verloren sich zwischendrin aus den Augen, fanden sich aber immer wieder, wurden darüber dicke Freunde – und sagten sich schließlich Anfang 2014: „Komm wir ziehen das jetzt durch, mit viel Kraft und Ehrgeiz. Ich glaube, da geht irgendwas, egal ob 5 oder 500 Leute vor der Bühne stehen. Seitdem verfolgen wir es täglich“, berichtet Mo. Und doch sollte es weitere zwei Jahre dauern, bis der Knoten platzte: „Stellen wir jetzt den Sprechgesang oder den Gesang in den Vordergrund? Das war lange ein Riesenthema. Im Song ‚Helden’ haben wir dann erstmals beide Stimmen im Refrain vereint – und es gefeiert. Weil es auch unserem Selbstverständnis entspricht: egal ob wir erfolgreich sind oder scheitern, wir tun es gemeinsam.“ „Siehst du mich auch noch in 30 Jahr’n an deiner Seite stehen? / Oder willst du Dir diese Zeit erspar’n / Und jetzt schon geh’n?“, fragen Mo und Hayat in ihrem Song „Alles oder nichts“. Was mit Blick auf die im Song thematisierte Beziehung offenbleibt, lässt sich im Fall von Nie und Nimmer klar beantworten: sie sind gekommen, um zu bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

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