Mine

Die Sängerin Mine und der Rapper Fatoni haben gemeinsam ein Album aufgenommen. Es heißt „Alle Liebe nachträglich“ und enthält einige der wunderbarsten Pop-Texte über die vermeintliche Unvereinbarkeit zweiter Menschen. Nichts prägt das Leben so sehr wie unsere Beziehungen. Genau deshalb haben Mine und Fatoni dem Thema nun ein ganzes Album gewidmet: „Alle Liebe nachträglich“ ist das definitive Beziehungsalbum für die Generation Y und alle anderen geworden. Auf sehr unaufgeregte, beinahe alltägliche Weise singen und rappen Mine und Fatoni hier dialogisch über die Liebe, das tägliche Verzweifeln an ihr – und die Unmöglichkeit, mit ihr oder ohne sie zu leben. Und sie tun das mit genau jenem Mix aus Charme, Sprachwitz und kluger Beobachtungsgabe, der in der Debatte viel zu oft zu kurz kommt. Es ist Mines und Fatonis großer Verdienst, dass sie all die offensichtlichen Fettnäpfchen und Stolperfallen, die das Thema bietet, elegant umschiffen und mit „Alle Liebe nachträglich“ eine breite Schneise durch das Dickicht des Geschlechterkampfs schlagen: indem sie die Dinge beschreiben, wie sie sind und wie die meisten sie kennen. Es gibt keine direkten Empfehlungen auf diesem Album, keine Schuldzuweisungen und keine Besserwisserei. Stattdessen: Kluge Situationsbeschreibung, auf skurrile Weise komische Beobachtungen, schließlich Einsichten und charmante Selbstkritik. Mine und Fatoni wissen, dass es am Ende nur eine Erkenntnis geben kann: Wer sich in eine Beziehung zu anderen Menschen begibt, egal welcher Art und Form, wird mit Unterschieden leben müssen, immer und überall. Sie auszuhalten, anzusprechen, zuzulassen ist tägliche Beziehungsarbeit. Das Leid kann also kaum gemildert werden, aber drüber sprechen sollte man schon. Und weil man ohne eine persönliche Bindung nicht authentisch und lebensnah über ein derart intimes Thema sprechen kann, verbindet natürlich auch Mine und Fatoni eine Beziehung. Mine veröffentlichte mit „Mine“ und „Das Ziel ist im Weg“ zwei wunderbare, hochpoetische Soloalben mit elektronisch grundierter Popmusik. Der Münchner Rapper Fatoni wiederum war bei Creme Fresh und hat nach der Auflösung der Gruppe zahlreiche Kollabo- und Soloalben veröffentlicht. Der unter seinem Geburtsnamen Anton Schneider außerdem als Bühnenschauspieler arbeitende Fatoni war nicht zuletzt auf beiden Mine-Alben als Feature-Gast dabei. So richtig kennen gelernt haben sich die beiden 2014 anlässlich des Videodrehs zu Mines „Ziehst du mit“. Die Idee für ein gemeinsames Album über Beziehungen war dann zunächst eine Schnapsidee im Verlauf eines Abends nach einem Fatoni-Konzert im Vorprogramm von Fettes Brot. Das Besondere: Im Gegensatz zu den meisten anderen Schnapsideen, wurde diese hier sogar weiterverfolgt. Sie ließ die beiden nicht mehr los nach jener Nacht, also begann Mine zunächst alleine und dann gemeinsam mit Fatoni zu komponieren, zu schreiben, zu produzieren – das Thema zog die Künstler in einen kreativen, gegenseitig befruchtenden Strudel. Anderthalb Jahre lang trafen Mine und Fatoni sich immer wieder. Sprachen über andere und eigene Beziehungen, schrieben Texte und Melodien, ergänzten sich so kongenial, wie man es nun in jeder Note von „Alle Liebe nachträglich“ hören kann. Das ganze Album ist ein einziger Dialog, der alle Facetten des Beziehungslebens verhandelt, bis auf eine: die Sprachlosigkeit. Das alles wäre bereits ein ausreichender Verdienst. Nun ist „Alle Liebe nachträglich“ allerdings auch musikalisch ein enorm facettenreiches Werk, das von den Gegensätzen der Protagonisten ebenso lebt wie von ihren Gemeinsamkeiten. Mit Anklängen an NDW, R&B, Pop Noir und HipHop gelingt Mine und Fatoni so ein modernes, tiefgründiges, hochgradig mitreißendes Pop-Album, das die Tücken der Zweisamkeit in banalen und großen Fragen des Lebens auf entzückende Weise nachvollziehbar illustriert. Es geht um die Bindungsunfähigkeit der Generation Y („Traummann“), die therapeutische Wirkung romantischer Hollywoodschinken („Rom Com“), um die Kraft der Liebe („Schminke“) und in dem Song „Fundament“ um die Qualen des Liebeskummers und die vollkommene Unmöglichkeit, bei irgendjemand anderem Trost zu finden, als der Person, die den Kummer ausgelöst hat. „Aua“ beschreibt die demütigende Erkenntnis der völligen Lernunfähigkeit in Liebesdingen. Der dunkellackierte, tieftraurige Titelsong rekapituliert das Drama einer zerbrochenen Beziehung, „Mon Coer“ schließlich die Torheiten, die Menschen nach einer Trennung begehen. Es ist alles leicht, nichts ist leicht, alles ist schwer, nichts ist schwer – und danach geht es von vorne los. Wieder und wieder. Zu diesen essenziellen Wahrheiten des Lebens haben Mine und Fatoni nun die wunderbarste aller vorstellbaren Musiken gefunden.

 

 

 

 

 

 

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