Max Prosa

Die Musikgeschichte ist voll von Künstlern, die ihre Musik als fortwährende Suche verstehen, die bereits zu neuen Ufern aufbrechen möchten, sobald ihr Schiff mit einem Schaben auf Sand anlegt. Und die Popmusik-Historie ist ebenso reich an Firmen und Managern, die dieses Bestreben zwar nach außen gutheißen, es aber eigentlich viel lieber haben, wenn sich ihre Schützlinge auf bereits erfolgreich erobertem Land niederlassen. Im sicheren Hafen sozusagen. Max Prosa kehrt gerade zurück aus einem dieser vermeintlich sicheren Häfen. Mit den Alben „Die Phantasie wird siegen“ und „Rangoon“ war er in den Jahren zuvor auf zwei selbstgebauten Booten erfolgreich losgesegelt; mit der Galeere der Plattenfirma konnte er sich indes nicht so recht anfreunden. Kein Wunder also, dass er auf „Mit anderen Augen“ die Welt wieder genau so neu sehen, wieder eigenhändig die Segel setzen und mit einem noch größeren Fernrohr in See stechen will. Dazu braucht er weder eine Reederei, noch die Rederei von Geschäftsleuten. Das Navigieren, die Suche nach einer Wahrheit und neuen Perspektiven zieht sich entsprechend als Thema durch viele der neuen Songs. Max Prosa betrachtet den Nachthimmel, singt vom eigenen Raumschiff, vom Boden des Ozeans oder von einem Funken vom höheren Glück, den er finden möchte („Die Suche“). Und klingt dabei gelöst, befreit, mit frischer Neugier ausgestattet im Kreise von Begleitern, Instrumenten und Songstrukturen, die wie für ihn (und von ihm) geschaffen wurden. Ob das der holpernde Groove des Openers „Babylon“ ist, das lässig wippende „Mit einer Hand“ oder das shuffelnde „Du fehlst“, in welchem er den Spagat zwischen Trauer und Optimismus herrlich und rührend offen besingt. Und wie nebenher fallen dabei wunderschöne Zeilen vom Liederwagen: „Mit einer Hand greifst du nach den Sternen und mit der anderen nach mir“ („Mit einer Hand“), „Weiß dein Herz, was deine Hände tun?“ („Du fehlst“) oder „Wir heben Schranken mit unseren Gedanken“ aus dem schönsten Lied  des Albums, „Hollywood“. Neben viel Leichtigkeit gibt es auch das ein oder andere Experiment auf „Mit anderen Augen“: Einen nüchternen Blues zum Beispiel („Die Spiegelung der Sterne auf dem See“) oder „Am 23. Juli“, auf dem Prosa monologisiert als würde er sich über ein Kaffeehaus- Klavier im Berlin der Zwanziger Jahre lehnen und sich den Text gerade eben in diesem Moment ausdenken. Auf "Das Leben ist schön" gibt sich Ton Steine Scherben Urgestein R.P.S. Lanrue die Ehre und illustriert mit einem krachenden Gitarrensolo wie "die Hölle losbricht". Man hört dieser Platte an, dass sie genauso klingen soll. Dass sie in Ruhe und mit Bedacht und ausschließlich nach eigenem Willen aufgenommen wurde, dass genug Zeit und Muße vorhanden war, um eine schrubbende Gitarre am richtigen Ort rechts hinten zu platzieren und nicht um des billigen Effekts Willen weit vorne, dass mit einem Hall genau dann etwas Lennon-Atem in Prosas Stimme geschoben wurde, als ihm der Sinn danach stand, dass 60s-Orgeln einfallen, weil sie sollen und nicht, weil es gerade en vogue ist, und dass alles viel Luft und Raum zur Entfaltung hat. Finanziert nicht von einem japanischen Elektronikkonzern, sondern per Crowdfunding von Max Prosa- Anhängern. Hat man einmal diese Platte gehört, ergibt das Cover einen sehr schönen Sinn, sagt schon vieles über die Musik aus. Über die Musik und die Texte gleichermaßen: Max Prosa lächelt nicht, aber seine Augen sind gelb leuchtende Gerbera.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Links:

 

www.facebook.com/maxprosa

www.maxprosa.de