Kochkraft durch KMA

Seit zwei Jahren schwingen Kochkraft durch KMA die selbsternannte „Neue Deutsche Kelle“ nun schon durch die Republik und das mit ordentlich Durchzug. Alarmiert vom Zustand der Welt und inspiriert vom Spirit der mehrdeutigen 80er Jahre, mischen Kochkraft durch KMA ungehobelte Punkpower und engagierte Haltung zu Songs mit Vergnügen und Weitblick. Bei bis dato 3 veröffentlichten EPs und über hundert Live-Shows blieb keine Zeit sich an irgendetwas anzupassen oder sich weichspülen zu lassen. Auch fehlte das Interesse daran. Frei nach dem Motto „Alles muss, nichts kann“ oszilliert die Kochkraft lieber zwischen Anarchie und Kindergarten, zwischen Selbstzerstörung und Tatendrang. Letzterer manifestiert sich am 28. September in der Veröffentlichung des Debütalbums „Endlich Läuse“. Das Ensemble vertritt eine Agenda. Und die lässt sich im Konzert besonders gut darstellen: Mit Synthie-Fahrrad (Wortwörtlich zu verstehen) und Schlagzeugschuhkarton (ja, nun), mit gepitchten Stimmen und gedrop-D-ten Gitarren. Doch weil man eben nicht in jedem Wohnzimmer und jedem Automobil live spielen kann, wurde der traditionelle Schritt zum Album eingeschlagen. Hier gibt es in bekannter Kochkraft-Manier schwitzende Synthies, drückende Tieftonklampfen, unsägliche Leads und chaotische Vocals mit doppelbödigen Texten. Zum Feature gibt's sogar noch Bonus-Trompeten von den bayerischen Freunden von LaBrassBanda im Hiphop-Knaller „Failbeispiel“. Als erste Single mit Video wird allerdings „Eins zum Lieben, eins zum Laster“ ausgekoppelt. Ohne Feature. Der kreative Flow („Aufnahmeprozess“) der Musikproduktion war so offen und vielseitig, wie es die Musik selbst und seine Erschaffer sind. In verschiedenen Studios (Toolhouse Studio/Rotenburg a.d. Fulda, Candy Bomber Studio/Berlin, Rama Studio/Mannheim, LeFink Studiong/Duisburg) wurde mit illustren Gestalten der Produktions- und Recordingbranche kooperiert (Niko Faust, Micki Meuser, Ingo Krauss, Jens Siefert). Zusammengehalten wird die Produktion durch die Band selbst, kann man doch auf KnowHow in den eigenen Reihen zurückgreifen, der finale Mix kommt demnach von Drummer/(Co-)Produzent(innen) BerayHabbiper, gemeistert hat Alex Kloss. Für alle, die noch lesen, und es nicht mehr ins Konzert schaffen, weil faul am Schreibtisch pappen geblieben, hier nochmal das formulierte Live-Spektakel in kurzen Worten: Neo-Dada, eine polarisierende Parodie des uns täglich heimsuchenden Wahnsinns. Zuschauer müssen sich, wie einst Max und Moritz, durchbeißen. Das Quartett changiert zwischen Power-Rockshow und Vokabeltest. Aka eine Prüfung der Geduld: Zuweilen sehr, sehr, sehr lange Pausen, atonale Ein-Ton-Solos, dem Drummer seine Bleche oder Stöcke wegnehmen, Mikrofonständer verstecken, Ins-Publikum-rennen, Pausen, Fahrradfahren... und am Ende doch wieder wild Tanzen. Schmerzhafte Inszenierung nebst traditionellen Show-Elementen. Mal Austausch, mal nicht zum Aushalten, immer die Auseinandersetzung mit dem erzwingend, was da auf der Bühne stattfindet. Und am Ende weiß eigentlich niemand wieso, aber jeder ist ein Stück Kochkraft geworden.

 

 

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