Drangsal

Inzwischen dürfte jeder schon mal über ihn gestolpert sein – den Vergleich des „neuen Zuchtmeisters deutscher Popmusik“ (Spex) mit Deutschpunkveteran Farin Urlaub. Und wenn man sich die neue Drangsal-Single mit dem geschmeidigen Namen „Magst Du mich (Oder magst Du bloß noch dein altes Bild von mir)“ anhört, versteht man sicher auch, woher dieser rührt. Den Hang zum Sarkasmus und die unverkennbare Liebe zur eigenen Muttersprache scheinen beide zu teilen, beginnt der Song doch mit einer Zeile wie eine Ohrfeige:

„Ich falle im und wie der Regen und merke mir sämtliche Zähne brechen / Kann es denn etwas Schöneres geben? Endlich muss ich nicht mehr sprechen“.

Aber da ist noch mehr. Das ist kein Spaß-Punk und auch kein Pop; da besingt ein verletzlicher, verunsicherter Max Gruber – untermalt von gerissenen Moll-Melodien – eine Thematik, über die die wenigsten zu sprechen wagen. Wie funktioniert das mit der Liebe? Sieht mein Gegenüber mich so, wie ich bin oder muss ich mir eingestehen, dass er alten Erinnerungen verfallen ist? Und wie steht es dabei um meine eigenen Gefühle? Wenn man Grubers glasklarem Tenor lauscht, wie er all diese Fragen stellt, möchte man ihm beinahe gratulieren zu diesem Mut. Doch noch bevor die flehenden Gitarren zum nächsten Riff ansetzen können, kommt sie – die Bitte: „Sag es nicht, weil mir das sonst garantiert mein junges Herz zerbricht.“ Aha, Unwissenheit ist eben doch manchmal ein Segen, sogar für einen Drangsal, der sonst mit Kenntnissen aller Art glänzen kann. Geht es um Herzensangelegenheiten, dann sind wir doch alle irgendwie ähnlich gestrickt. Und wenn Max Gruber fragt: „Gibt es denn schlimmere -sale als mein Schick- oder die Drang-?“, dann bleibt uns nur noch, die Augen zu schließen, zu tanzen und dabei wissend den Kopf zu schütteln. Zumindest gibt es keine -sale, die so gut klingen wie dieses.

 

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