Pudeldame

Die norddeutschen Smart’n’Sexy-Popper Pudeldame um Sänger (und Schauspieler) Jonas Nay veröffentlichen heute ihr Debütalbum "KINDER OHNE FREUNDE". Die Kernfrage: Wie viel Wahrhaftigkeit verträgt die Ironie – und umgekehrt? Pudeldame, ein Name mit Style, gut zu googlen, aber wer ist das und wo findet man sie? Man begegnet Pudeldame in „Berlin Midde“, wo die Tarzans der Großstadt durch den urbanen Dschungel cruisen. Man trifft sie in der wohlstandsbehüteten Clique der „Kinder Ohne Freunde“, man sieht sie aber auch im „Hotelzimmer“, in dem ein schemenhafter Schatten nackt tanzend die Einsamkeit bekämpft. „Pudeldame ist dort, wo die Leute seltsame Dinge tun“, sagt Jonas Nay. „Und Pudeldame sorgt dafür, dass Bewegung in die Sache kommt.“ Bewegung ist der zentrale Begriff dieser Band. Wenn man Jonas Nay (Gesang, Keyboards), David Grabowski (Gitarre, Gesang), Nico Bauckholt (Bass) und Jon Ander Klein (Schlagzeug, Gesang) fragt, was den Klang von Pudeldame auszeichnet, dann nicken die Köpfe, grooven die Körper, werden die Antworten zum Move: „Bei unserer Musik muss etwas mit meinen Muskeln passieren“, erklärt Jonas Nay, „es muss eine körperliche Reaktion geben.“ Niemand sollte die Musik von Pudeldame stillsitzend hören. „Wir wollen unserer Hörer*innen nicht betroffen machen, sondern sie in Bewegung bringen.“ Ganz kurz, Jonas Nay ist der Schauspieler, der seit zehn Jahren dutzende Preise abräumt und großartige Rollen bekommt, zum Beispiel die des Protagonisten in der vielgerühmten „Deutschland“-Fernsehserie. Sein Name ist einer, auf den sich in der Filmbranche alle einigen können. Jonas Nays ureigene Kunstform jedoch ist die Musik: Seit Ewigkeiten spielt er zusammen mit den Lübecker Schulfreunden David Grabowski und Jon Ander Klein in Bands; alle haben sie an der Musikhochschule Pop oder Jazz studiert, dort trafen sie Nico Bauckholt, der 2017 dazu stieß „Unser Anspruch an diese Band ist, dass sie die Erwartungen bricht“, sagt Gitarrist David Grabowksi. Für Pudeldame ist Pop nicht die Befriedigung der Massen mit Hilfe einer simplen Emotionsherstellungsmechanik (siehe: deutscher Betroffenheitspop). „Pop“, sagt David Grabwoski, „bedeutet für uns permanentes Hinterfragen.“ Wie das klingt, zeigen die 14 Tracks auf "KINDER OHNE FREUNDE". Die Vielfalt der Ideen hätte auch für vier Platten gereicht, aber, hey: Pop steht eben auch für Überfluss! Weil kein Mensch den Pudeldame-Sound in eine einzige Schublade packen kann, versuchen wir es mal assoziativ: Vier Nordish-by-Nature-Electro-Popper mit Bock auf süffig-karibische Cocktails verbiegen im Steely Dan-Kostüm den seelenvollen Part der 80er, um ihm mit Hilfe samtseidener Neo-R’n’B- Koordinaten neu zu gestalten. Oder, deutlich kürzer: Dies ist Smart’n’Sexy-Pop. Und dann sind da die Texte. Jonas Nay schreibt sie häufig zusammen mit dem Hamburger Schauspielerkollegen David Schütter. Als Mann des Wortes sind Jonas Nay die Lyrics immens wichtig, da gibt es keine Verlegenheitsreime oder Kitschphrasen. Zwei Ebenen gibt es, erstens der Flow: Hat man in deutschsprachigen Popsongs jemals eine so lässige (aber niemals nachlässige!) Sprache gehört? Zweitens besitzt Jonas Nay eine sensationelle Art der Meta-Ironie, bei der man sich nie sicher sein darf, was hier gerade abgeht. Im sehr tanzbaren Stück „Motototo“ zum Beispiel heißt es zum relaxten Beat: „Nicht ihr Gesicht, ihr Gesicht lieber nicht, zeig mal Popo.“ Ui! „Das ist natürlich sexistischer Dreck“, sagt Jonas Nay. „Und das wissen wir alle.“ Aber wie oft fällt so ein Satz wohl in der Social Media-Welt bei Instagram-Shootings? Und wie sehr fühlt man sich ertappt, wenn dieser Song im Club läuft und alle mitsingen, ihren Popo bewegen und dabei totalen Spaß empfinden? „Die Texte sind keine Satire, weil ich nicht auf was herabblicke“, definiert Jonas Nay. „Sie füttern auch keine Slogan-Maschine.“ Es stecke immer Wahrhaftigkeit in den Worten. „Es geht um die Spiegelung von Dingen, die in uns vorhanden sind, ob wir es wollen oder nicht.“ Das Pudeldame-Motto lautet: Es macht mehr Spaß, unter Gleich-gesinnten diese guilty pleasures feiern, als die weiße Weste sauber zu halten. Großartig an Pudeldame ist, dass die Musik diese Texte nicht nur begleitet: Ganz eindeutig ist die Kommentarfunktion aktiviert! Nehmen wir „Herz bricht“, da gönnt sich Jonas Nay dieses eine Mal traurige Worte aus dem Lexikon der Liebeslieder: „Und du hörst wie mein Herz bricht.“ Und was macht David Grabowski? Konterkariert die Refrainzeile hämisch mit einer superkitschigen Gitarre aus dem Hawaii-Holiday-Katalog. Trennung unter Palmen! Wobei diese Gitarre im Mittelteil plötzlich irre jazzig klingt und dem Sänger für einen Buddytalk zur Verfügung steht. Auf diese Weise geht das ständig hin und her auf diesem Album: Das von der Post-Punk- Abteilung der NDW inspirierte „Egalität“ bringt Egalheit und Egalité zusammen, das „So geht das, Slash!“-Gitarrensolo von „Diva“ darf sich eine Minute lang in aller gebotenen Eitelkeit austoben, um am Ende vom coolsten aller Jazz-Pop-Akkorde übertrumpft zu werden. In „Premium“ beweisen Nico Bauckholt und Jon Ander Klein an Bass und Drums, dass Fusion-Rock nicht das No-Go unter den Genres ist, bevor sich der Track aus der Virtuosität heraus selbst ins Knie schießt und am Ende klingt, als würden die Baha Men die Festplatte von Aphex Twin hacken. Premium halt. Nur nicht so, wie sich das die herkömmlichen Premium-Anbieter vorstellen. Neugierig geworden? Na dann hört doch direkt rein! Wer die Band sehen möchte, schaue sich donnerstags „Late Night Alter“ auf ZDFneo an, wo die vier als Hausband auftreten, wie The Roots bei Jimmy Fallon oder früher Dendemann beim Böhmermann. Alles dies macht klar: An Pudeldame wird es 2021 keinen Weg vorbei geben. Was super passt, denn denke keiner, das Jahr werde weniger seltsam sein als das vorherige. Was wir brauchen, ist Pop, der sich gleichzeitig ernst und Hopps nimmt, der Bewegung in die Sache bringt und dafür sorgt, dass das Leben an den entscheidenden Stellen geschmeidiger läuft. Pudeldame kommen wie gerufen: "KINDER OHNE FREUNDE" besitzt alles, was wir uns vom Pop erhoffen. Als kleiner Ersatz für ihre ausgefallene Tour zum Debütalbum „Kinder Ohne Freunde“, haben Pudeldame ihr gesamtes Album in Hamburg live on tape, in Bild und Ton aufgenommen und ihm so, eindrucksvoll ein tolles Livekonzert Gefühl eingehaucht.

 

 

 

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